Shorthanded und Doublehanded

Wenn eine Crew deutlich kleiner ist als üblich, verändert sich Regattasegeln grundlegend. Shorthanded- und Doublehanded-Regatten verlangen, dass zwei bis vier Personen alle Aufgaben übernehmen, die bei einer Voll-Crew auf acht, zwölf oder mehr Segler verteilt sind: Steuern, Trimmen, Navigieren, Wenden, Reffen, Wartung und – bei langen Offshore-Passagen – Schlafmanagement. Das Format wächst weltweit, weil es Wettkampf, Abenteuer und praktische Crew-Planung verbindet: Weniger Organisationsaufwand als bei großen Teams, mehr Tempo und Verantwortung als beim Cruisen.

Dieser Leitfaden erklärt Begriffe, Formate, Ausrüstung und Taktik für Shorthanded- und Doublehanded-Regatten.

Was bedeutet Shorthanded und Doublehanded?

Shorthanded (deutsch: mit reduzierter Besatzung) bezeichnet Regatten und Trainingseinheiten, bei denen deutlich weniger Segler an Bord sind als bei einem typischen Crew-Rennen derselben Bootsklasse. World Sailing und Veranstalter definieren die genaue Crew-Größe meist in der Notice of Race; üblich sind zwei bis vier Personen. Doublehanded ist die Spezialform mit exakt zwei Seglern – der beliebteste Einstieg, weil Rollen klar teilbar sind und viele Events eigene Two-Handed-Klassen führen.

Kernelemente der Disziplin

  1. Multitasking statt Spezialisierung: Jede Person übernimmt mehrere Rollen gleichzeitig oder in schneller Rotation.
  2. Automatisierung und Erreichbarkeit: Autopilot, elektrische Winschen und Leitungen ins Cockpit reduzieren Deck-Arbeit.
  3. Manöverplanung im Voraus: Wenden, Halsen und Spinnaker-Sets werden minutenlang besprochen, nicht improvisiert.
  4. Ausdauer und Schlaf: Bei Offshore-Rennen mit zwei bis drei Personen entscheidet ein funktionierendes Watch-System über Sicherheit und Leistung.

Shorthanded-Crew-Rollen

Steuer / Skipper

Bootsführung, taktische Entscheidungen, Kommunikation mit Regatta-Leitung

Navigation / Taktik

Karten, Routing, AIS, Wetteranalyse und Kursführung

Segel / Trim

Segelwechsel, Trimmen, Reffen und Spinnaker-Handling

Wartung / Sicherheit

Reparaturen, Sicherheitsausrüstung und Notfallmanagement

Bei Doublehanded überlagern sich je zwei Rollen pro Person – jeder Segler übernimmt sowohl Steuer- als auch Navigations- und Segelaufgaben.

Abgrenzung zu anderen Disziplinen

Shorthanded- und Doublehanded-Regatten stehen zwischen Fleet Racing mit voller Crew und Einzelhand-Regatten, bei denen nur eine Person das Boot führt.

Format
Crew-Größe
Typische Strecke
Schwerpunkt
Fleet Racing (Voll-Crew)
3 bis 20+ Personen
Inshore, kurze Offshore-Etappen
Manövergeschwindigkeit, Starttaktik, Spezialisierung
Doublehanded
Exakt 2 Personen
Inshore bis transatlantisch
Rollenteilung, Autopilot-Nutzung, Ausdauer
Shorthanded (3–4 Personen)
3 bis 4 Personen
Coastal und Offshore
Watch-System, reduzierte aber geteilte Spezialisierung
Einzelhand
1 Person
Offshore, Tage bis Monate
Autonomie, Schlafmanagement, Solo-Navigation

Mehr zur Einordnung in Offshore-Kontexten finden Sie unter Offshore- und Langstreckenregatten sowie Einzelhand und Short-Handed.

Formate: Inshore, Coastal und Offshore

Shorthanded- und Doublehanded-Regatten sind keine eigene Bootsklasse, sondern ein Crew-Format, das in verschiedenen Disziplinen stattfindet.

Inshore und Bahnregatten

Bei kurzen Windward-Leeward-Kursen oder Coastal-Tagesrennen segeln Two-Handed-Crews oft auf Sportbooten wie J/70, J/80 oder Melges 24. Die Herausforderung liegt in schnellen Manövern ohne Vorsegler und Pit-Crew: Spinnaker setzen und bergen, Wenden unter Druck, Startpositionierung – alles mit zwei Personen. Details zu Bahnformaten: Inshore und Bahnregatten.

Coastal und Offshore

Coastal-Regatten mit zwei bis vier Personen verbinden Küstennavigation mit mehreren Etappen oder einer langen Passage. Offshore-Doublehanded-Rennen – etwa transatlantische Two-Handed-Klassen – erfordern Autopilot, Wetterrouting, Sicherheitsausrüstung nach Offshore-Spezifikation und ein belastbares Watch-System. Für Coastal-Formate siehe Coastal und Inshore-Racing.

Doublehanded-Manöver Wende

1
Kurs und Timing absprechen
2
Autopilot vorbereiten / Steuer übernehmen
3
Grosssegel und Vorsegel trimmen
4
Wende ausführen
5
Kurs halten, Segel nachtrimmen

Crew-Organisation und Rollenverteilung

Bei Doublehanded teilen sich zwei Segler typischerweise folgende Aufgaben:

  • Skipper / Steuer: Bootsführung, taktische Entscheidungen, Kommunikation mit Regatta-Leitung
  • Co-Skipper / Navigator: Karten, Routing, AIS, Segelwechsel, Autopilot-Bedienung
  • Gemeinsam: Wachen bei Offshore, Reffen, Reparaturen, Proviant

Bei Shorthanded mit drei bis vier Personen lässt sich ein klassisches Watch-System etablieren:

  1. Zwei-Wachen-System: Eine Person steuert und navigiert, eine trimmt; die übrigen ruhen oder übernehmen nach Rotation.
  2. Dreier-Wache: Jeweils eine Person wach, eine halb-wach (bei Bedarf), eine schläft – ideal für längere Offshore-Passagen.
  3. Rollenrotation: Alle können steuern, trimmen und navigieren; feste Spezialisierung nur bei klaren Stärken.

Bei Doublehanded-Offshore darf niemand dauerhaft ohne Schlaf segeln. Erschöpfung ist eine der häufigsten Ursachen für Navigationsfehler und schwere Unfälle – planen Sie Wachen und Ruhezeiten vor dem Start verbindlich.

Bootsausrüstung für wenig Crew

Boote für Shorthanded- und Doublehanded-Regatten sind oft shorthanded-tauglich ausgerüstet – unabhängig von der Bootsklasse:

  • Autopilot mit zuverlässiger Kurs- und Windsteuerung
  • Leitungen und Winschen ins Cockpit geführt (Crossover-Layout)
  • Einfache Reff- und Furl-Systeme
  • Redundante Navigation (Chartplotter, Paper-Charts, Hand-GPS)
  • EPIRB, AIS-Transponder, Satellitenkommunikation bei Offshore
  • Reduziertes Segel-Inventar mit klaren Setz- und Berg-Abläufen
Ausrüstung
Inshore Doublehanded
Offshore Shorthanded
Autopilot
Optional, oft nicht erlaubt
Pflicht, Backup-Steuerung empfohlen
Leitungen ins Cockpit
Sehr empfohlen
Standard bei shorthanded-Riggings
Spinnaker-Handling
Snuffer, Asymmetrics, kurze Sets
Oft nur furlbare Gennaker oder Code Zero
Sicherheitsausrüstung
Basis nach SI und Klasse
Offshore-Spezifikation, Liferaft, Notfall-Ausrüstung
Schlaf-Equipment
Nicht relevant
See-taugliche Liege, leichte Sicherheitsgurte

Sportboote wie Figaro 3 und Class 40 werden häufig shorthanded oder einzelhand gesegelt und bieten ab Werk viele shorthanded-Features.

Taktik und Manöverplanung

Mit weniger Crew gewinnt nicht das schnellste Boot allein, sondern die Crew, die konstant segelt und kostspielige Fehler vermeidet.

Inshore-Taktik mit zwei Personen

  1. Start: Früh positionieren, klare Aufgabenverteilung – einer steuert, einer beobachtet Linie und Gegner.
  2. Windward-Leg: VMG priorisieren; auf unnötige Segelwechsel verzichten, wenn beide am Limit arbeiten.
  3. Markenrundungen: Manöver vorher verbal durchspielen; Innensegel zuerst, Spinnaker erst bei stabiler Kurslage.
  4. Downwind: Asymmetrisches Handling mit Snuffer spart Crew-Kräfte gegenüber klassischem Spinnaker.
  5. Protest und Regeln: Kurze Absprachen vor dem Start – wer beobachtet, wer kommuniziert.

Offshore-Taktik

  • Routing vor Tempo: Bei Two-Handed-Transatlantik entscheidet oft das bessere Wetterfenster, nicht die höchste Bootsgeschwindigkeit in einer Nacht.
  • Konservatives Segeln: Ein gerissenes Segel oder eine überforderte Crew kostet mehr als eine sichere Reff-Entscheidung.
  • Autopilot-Disziplin: Kurs und Trimm regelmäßig prüfen – der Autopilot segelt nicht automatisch optimal für VMG.

Voll-Crew vs. Doublehanded-Taktik

Aspekt
Voll-Crew
Doublehanded
Startaggression
Hoch
Moderat
Segelwechsel-Häufigkeit
Hoch
Niedrig
Routing-Priorität
Mittel
Hoch
Fehlertoleranz
Höher
Niedrig

Wertung und Bootsklassen

Shorthanded- und Doublehanded-Events nutzen je nach Veranstalter One-Design-Wertung (identische Boote, z. B. J/70 Two-Handed) oder Handicap-Systeme wie ORC und IRC, bei denen korrigierte Zeiten unterschiedliche Bootstypen vergleichbar machen. Die ORC-Offshore-Wertung ist bei europäischen Offshore-Regatten mit shorthanded-Klassen besonders verbreitet.

Typische Bootskategorien:

  • Sportboote und One-Design: J/70, J/80, Melges 24 – Inshore-Doublehanded
  • Performance-Cruiser und Racer: 30–45 Fuß, ORC/IRC-Wertung
  • Class 40 und Figaro: Offshore-Doublehanded und shorthanded auf hohem Niveau
  • IMOCA und Open-Klassen: Professionelle Two-Handed-Transatlantik (z. B. Transat Jacques Vabre)

Bekannte Regatten und Serien

Shorthanded- und Doublehanded-Formate finden sich weltweit – vom Club-Event bis zum Medien-Highlight:

  • Transat Jacques Vabre: Two-Handed-Rennen Le Havre – Martinique (Class 40, IMOCA)
  • Rolex Fastnet Race: Eigene shorthanded- und doublehanded-Wertungsklassen
  • Rolex Middle Sea Race: Beliebt für Mediterranean Two-Handed-Crews
  • Club-Regatten: DSV und regionale Verbände führen Doublehanded-Inshore-Serien

Meilensteine Shorthanded-Racing

1960er
Erste dokumentierte Two-Handed-Transatlantik
1973
Fastnet mit shorthanded-Klassen
1993
Transat Jacques Vabre gegründet
2000er
ORC shorthanded-Spezifikationen
2020er
Boom bei Club-Doublehanded-Inshore

Vorbereitung und Einstieg

Shorthanded- und Doublehanded-Regatten eignen sich für Paare, Freunde oder feste Zweier-Teams, die mehr Verantwortung wollen als bei einer großen Crew, aber nicht allein segeln möchten.

Checkliste: Erste Doublehanded-Regatta

  • Notice of Race und Sailing Instructions auf Crew-Limit und Autopilot-Regeln prüfen
  • Rollen und Kommunikationsregeln schriftlich festhalten
  • Manöver-Abläufe (Wende, Halsen, Spinnaker) an Land durchsprechen
  • Sicherheitsausrüstung und Rettungswesten gemäß SI packen
  • Autopilot kalibrieren und Backup-Steuerung testen
  • Bei Offshore: Watch-Plan, Wetterrouting und Notfallkontakte definieren
  • Segelmedizinische Tauglichkeit und Regattalizenz aktuell halten

Trainings-Empfehlungen

  1. Trainings-Törns zu zweit: Mehrere Tagestörns vor der ersten Offshore-Regatta absolvieren.
  2. Nachttraining: Manöver bei Dunkelheit üben – Offshore verläuft überwiegend nachts.
  3. Regatta-Erfahrung als Crew: Zuerst in größerer Crew Offshore-Erfahrung sammeln, dann schrittweise reduzieren.

Starten Sie mit Inshore-Doublehanded auf einem bekannten Boot. Erst wenn Wenden, Sets und Berg-Manöver im Schlaf sitzen, lohnt der Schritt zu Coastal- oder Offshore-Formaten.

Wichtig: Vertrauen und klare Kommunikation sind bei Two-Handed wichtiger als technisches Können allein. Eine Crew, die Konflikte auf See vermeidet und Entscheidungen schnell trifft, schlägt oft schnellere Boote mit unklarer Rollenverteilung.

Wachzeit Doublehanded-Offshore: Typische Verteilung bei 24-Stunden-Rennen: 12–14 Stunden aktives Segeln pro Person, 4–6 Stunden Ruhe in Blöcken à 2–3 Stunden.

Shorthanded in der Regatta-Landschaft

Shorthanded- und Doublehanded-Regatten machen Offshore-Racing für überschaubare Teams zugänglich und bilden eine Brücke zwischen Fleet Racing und Einzelhand-Regatten.

Häufige Fragen (FAQ)

Ab welcher Erfahrung?

Mehrere Jahre Regatta-Praxis werden empfohlen. Wer in größerer Crew Offshore-Erfahrung gesammelt hat, kann schrittweise auf Two-Handed-Formate umsteigen.

Autopilot bei Inshore?

Nur wenn die Sailing Instructions es erlauben. Viele Inshore-Doublehanded-Events verbieten Autopiloten, um die Manöverfähigkeit der Crew zu betonen.

Shorthanded vs. Doublehanded?

Doublehanded bedeutet exakt zwei Personen an Bord. Shorthanded umfasst Crews von zwei bis vier Personen – Doublehanded ist die kleinste Form.

Welches Boot?

Für den Einstieg eignen sich J/70 oder vergleichbare Sportboote. Für Offshore-Formate sind ORC-Racer zwischen 30 und 40 Fuß typisch.

Kosten?

Geringer als bei Voll-Crew-Regatten, da weniger Crew-Mitglieder an Bord sind. Autopilot und shorthanded-spezifische Ausrüstung sollten dennoch eingeplant werden.

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Letzte Aktualisierung: 4. Juli 2026