Figaro 3 und Class 40

Die Figaro 3 und die Class 40 gehören zu den wichtigsten Sportboot-Klassen im französisch geprägten Offshore-Racing. Beide Boote verbinden hohe Geschwindigkeit auf Langstrecke mit dem Anspruch, Wettkampf unter erschwerten Bedingungen zu ermöglichen: allein, zu zweit, bei Nacht, bei starkem Wind und auf mehrtägigen Etappen. Während die Figaro 3 als strikte One-Design-Klasse die Nachwuchs- und Profi-Szene der Solitaire du Figaro trägt, ist die Class 40 eine Box-Rule-Klasse und etablierter Sprungbrett auf dem Weg zu IMOCA 60 und großen Transatlantik-Rennen. Wer von Inshore-Kielbooten wie J70 und J80 in den Bereich Regatta vs. Cruising vs. Offshore wechseln will, findet in diesen beiden Klassen den strukturierten Einstieg ins professionelle Kurzstrecken-Offshore-Segeln.

Geschichte und Bedeutung im Offshore-Segeln

Die Figaro-Klasse entstand in den 1990er-Jahren als Einhand-Offshore-Boot für die Solitaire du Figaro – eine der traditionsreichsten Etappenregatten Europas, gesponsert von der französischen Tageszeitung Le Figaro. Die Vorgänger Figaro 1 und Figaro 2 prägten Jahrzehnte lang die französische Solosegel-Szene. 2019 ersetzte die Figaro 3 (Beneteau, Design VPLP) die Figaro 2 und brachte mit Lifting Foils erstmals Foiling-Technologie in eine seriennahe One-Design-Offshore-Klasse.

Die Class 40 wurde Anfang der 2000er-Jahre als 40-Fuß-Box-Rule etabliert, um erschwinglicheres Shorthanded-Offshore-Racing zu ermöglichen. Schnell wurde sie zur Standardklasse für Rennen wie die Route du Rhum, die Transat Jacques Vabre (Doublehanded) und zahlreiche Atlantik- und Coastal-Races. Viele heutige IMOCA-Skipper haben ihre Offshore-Karriere auf einer Class 40 begonnen.

Figaro und Class 40 – Meilensteine

1990
Figaro 1 etabliert – Beginn der französischen Einhand-Offshore-Klasse
2003
Figaro 2 ersetzt Figaro 1 – moderneres One-Design-Konzept
2005
Class-40-Rule definiert – Box Rule für Shorthanded-Offshore
2010
Starke Class-40-Flotte bei Route du Rhum
2019
Figaro 3 mit Lifting Foils – Nachfolger der Figaro 2
2022
Transat Jacques Vabre Class 40 – internationales Top-Event
Heute
Sprungbrett Figaro → Class 40 → IMOCA 60

Technischer Vergleich: Figaro 3 vs. Class 40

Beide Boote sind für Offshore-Etappen konzipiert, unterscheiden sich aber in Konzept, Regelwerk und Einsatzzweck. Die Figaro 3 ist ein einheitliches Serienboot; die Class 40 erlaubt innerhalb fester Grenzen unterschiedliche Designs und Werften.

Merkmal
Figaro 3
Class 40
Regelwerk
Strikte One-Design-Klasse
Box Rule (Designfreiheit im Rahmen)
Länge (LOA)
9,75 m (32 ft)
max. 12,19 m (40 ft)
Baujahr / Einführung
ab 2019 (Nachfolger Figaro 2)
Rule seit ca. 2005, laufende Evolution
Werft / Design
Beneteau, VPLP Design
Diverse (z. B. Owen Clarke, Akilaria, Scow)
Besonderheit
Lifting Foils an beiden Seiten
Leichter Racer, oft Open-Transom
Typische Besatzung
1 (Solo) bei Figaro-Rennen
1–2 (Solo oder Doublehanded)
Referenz-Regatta
Solitaire du Figaro
Route du Rhum, Transat Jacques Vabre
Karrierefunktion
Offshore-Nachwuchs, Profi-Pfad Frankreich
Sprungbrett Richtung IMOCA 60

Einsatzprofil im Vergleich

Figaro 3

  • One-Design – gleiche Chancen für alle
  • Lifting Foils und moderne Serientechnik
  • Französisches Solosegel-System
  • Solitaire du Figaro als Kern-Regatta

Class 40

  • Individuelles Boot – Designvielfalt
  • Höhere Geschwindigkeit auf Langstrecke
  • Transatlantische Rennen im Fokus
  • Sprungbrett zur IMOCA 60

Gemeinsam: Offshore, Etappen, Navigation und Schlafmanagement.

Das One-Design-Prinzip der Figaro 3 ist im Detail unter One-Design vs. Handicap-Systeme erklärt. Die Class 40 arbeitet eher mit einem Klassen-Box-Rule-Ansatz, vergleichbar mit dem Konzept hinter IRC- und ORC-Racer, jedoch als eigene internationale Klasse mit festem Maximalumfang.

Figaro 3: Foils und One-Design-Philosophie

Die Figaro 3 ist ein moderner Einhand-Offshore-Racer mit geschlossenem Deck, Crashbox-Konzept und zwei Lifting Foils, die den Rumpf bei Raumwind und in Wellen teilweise entlasten. Ziel ist nicht permanentes Foiling wie beim America's Cup, sondern weniger Rumpfwiderstand und stabilere Geschwindigkeit in der Praxis. Alle Boote sind baugleich; Unterschiede entstehen durch Segelzustand, Rig-Tuning, Navigation und körperliche Belastbarkeit des Skippers.

Die Klasse wird vom Association Figaro Beneteau verwaltet. Messungen und Materialvorgaben gelten bei Meisterschaften strikt – vergleichbar mit anderen Klassenverbänden und One-Design-Klassen.

Class 40: Box Rule und Designvielfalt

Die Class 40 erlaubt verschiedene Rumpfformen, Kieltypen und Rig-Konfigurationen innerhalb definierter Grenzen (Maximallänge, Maximalverdrängung, Sicherheitsausrüstung). Das fördert Innovation und unterschiedliche Bootsprofile: vom älteren, günstigeren Gebrauchtboot bis zum neuesten Carbon-Racer. Für viele Teams ist die Class 40 der erste Schritt zu transatlantischem Racing mit professionellem Support und Sponsoring.

Class-40-Flotte: Stetiger Anstieg der aktiven Flotte seit 2005, Peak bei Route-du-Rhum-Jahren. Heute stabile internationale Flotte mit 30–50+ aktiven Rennbooten pro Groß-Event. Die Class 40 bleibt das wichtigste IMOCA-Sprungbrett.

Wichtige Regatten und Wettkampfformate

Solitaire du Figaro (Figaro 3)

Die Solitaire du Figaro ist das Flaggschiff der Figaro-Klasse: mehrtägige Küstenetappen entlang der französischen und europäischen Atlantik-Küste, gesegelt Einzelhand. Typisch sind 3.000+ Seemeilen, enge Küstennavigation, starke Gezeitenströmung im Kanal und wechselnde Windsysteme. Die Regatta gilt als Schule für Profi-Solosegler; Sieger und Top-Platzierte gelten als ernsthafte IMOCA-Kandidaten.

Class-40-Kalender

Class-40-Boote starten bei großen Einzel- und Zweihand-Events:

  1. Route du Rhum – Solo-Transatlantik von Saint-Malo nach Guadeloupe, alle vier Jahre.
  2. Transat Jacques Vabre – Doublehanded von Le Havre nach Martinique (auch Class-40-Fleet).
  3. The Race Around und regionale Coastal-Races – Training und Qualifikation.
  4. Class-40-Meisterschaften – periodische WM-Formate der Klasse.

Wichtig: Die Solitaire du Figaro ist Pflicht-Kalender für Figaro-Segler. Für Class-40-Teams sind Route du Rhum und Transat Jacques Vabre die zentralen Karriere-Meilensteine – vergleichbar mit dem Stellenwert einer Olympiade in anderen Disziplinen.

Karriereweg und Anforderungen

Offshore-Karriereleiter

1
Inshore-Kielboot / Coastal Racing
2
Figaro 3 (Solitaire du Figaro)
3
Class 40 (Transat, Route du Rhum)
4
IMOCA 60 (Vendée Globe, The Ocean Race)
5
Ultim / Maxi-Trimaran

Der typische französische Profi-Pfad führt von der Figaro 3 über die Class 40 zur IMOCA 60. Außerhalb Frankreichs nutzen ambitionierte Segler die Class 40 häufig als erstem eigenem Offshore-Projekt, ohne zwingend Figaro-Erfahrung mitzubringen. Entscheidend sind:

  • Navigation und Wetterrouting auf mehrtägigen Etappen
  • Schlafmanagement im Einhand- oder Zweihand-Betrieb
  • Bootszuverlässigkeit – Reparaturen unterwegs sind Teil des Sports
  • Körperliche Ausdauer und mentale Belastbarkeit
  • Budget und Logistik für Etappen, Training und Material

Wer die passende Klasse für seine Ziele sucht, findet unter Bootsklasse wählen nach Regattaziel und Karriereweg eine systematische Entscheidungshilfe.

Skills und Ausbildung

Figaro- und Class-40-Segler durchlaufen in Frankreich oft strukturierte Programme. International gelten typischerweise: Küsten- und Bahnregatta-Erfahrung, Offshore-Sicherheitskurse, Co-Skipper-Einsätze auf Class 40, Einhand-Training (24–48 h) und Routing-Software-Kenntnisse.

Tipp: Ohne französisches Netzwerk zuerst als Mitsegler auf Class 40 oder in Figaro-Trainingsregatten Erfahrung sammeln – die Lernkurve für Einhand-Offshore ist ohne Mentor zu steil.

Material, Budget und Teamstruktur

Beide Klassen sind gegenüber IMOCA 60 erschwinglicher, erfordern aber erhebliche Investitionen: Figaro 3 über Charter oder Syndikat, Class 40 ab älteren Gebrauchtbooten bis zu modernen Carbon-Racern. Laufende Kosten umfassen Segel, Rigging, Versicherung und Etappen-Logistik. Im Kontext der Kielboote und Sportboote liegen beide am oberen Ende der Sportboot-Skala.

Kostenfaktor
Figaro 3
Class 40
Boot (Einstieg)
Charter / Syndikat üblich
Gebrauchtboot möglich
Material pro Saison
Mittel (One-Design-Vorgaben)
Hoch (individuelles Setup)
Crew-Kosten
Solo – keine Crew-Gehälter
Solo oder 1 Co-Skipper
Logistik Etappen
Regatta-Organisation Figaro
Event-spezifisch, oft eigenes Team
Sponsoring-Potenzial
Hoch in Frankreich
International gut für Top-Events

Checkliste: Einstieg in Figaro 3 oder Class 40

  • Offshore-Erfahrung auf Küsten- oder Etappenregatten nachweisbar
  • Sicherheitsausrüstung und Kurse (Sea Survival, Medizin) abgeschlossen
  • Einhand- oder Doublehanded-Training absolviert (mindestens 48 h Seezeit)
  • Navigation, GRIB-Wetter und Routing-Software geübt
  • Budget für Boot, Material und Etappen realistisch kalkuliert
  • Netzwerk in der Klasse (Mentor, Co-Skipper, Verband) aufgebaut
  • Körperliche Fitness und Schlafmanagement trainiert
  • Regelwerk der Zielklasse (Figaro Class Rules / Class-40-Rule) studiert

Vorbereitung Solitaire du Figaro

  • Figaro-3-Zugang klären (Charter, Syndikat oder Eigentum)
  • Trainingsetappen fahren
  • Foils-Handling üben
  • Gezeitenkarten Atlantik-Küste studieren
  • Autopilot kalibrieren
  • Notfall-Reparatursets an Bord
  • Fitness-Plan 6 Monate vor Start
  • Mentales Training für Schlafmangel

Figaro 3 oder Class 40 – welche Klasse passt?

Figaro 3 eignet sich, wenn du:

  • strukturiertes One-Design-Solosegeln suchst
  • den französischen Offshore-Nachwuchspfad verfolgst
  • Foils und moderne Serientechnik auf 10-Meter-Länge erleben willst
  • an der Solitaire du Figaro teilnehmen möchtest

Class 40 eignet sich, wenn du:

  • transatlantisches Racing anstrebst
  • als Solo- oder Doublehanded-Skipper auf größerem Boot segeln willst
  • Designvielfalt und ein Sprungbrett zur IMOCA suchst
  • bei Route du Rhum oder Transat Jacques Vabre starten willst

Achtung: Einhand-Offshore auf Figaro 3 oder Class 40 ist kein erweitertes Club-Wochenendsegeln. Ohne strukturierte Vorbereitung, Sicherheitsausrüstung und mentale Erfahrung sind die Risiken unterschätzt. Starte mit kürzeren Etappen und baue Erfahrung schrittweise auf.

Häufige Fragen

Brauche ich Figaro-Erfahrung für Class 40?
Nein, aber Offshore-Erfahrung ist unverzichtbar. Viele Class-40-Skipper starten ohne Figaro-Hintergrund.

Kann ich eine Figaro 3 chartern?
Ja, Charter und Syndikate sind gängige Einstiegswege in die Klasse.

Wie unterscheiden sich Figaro 2 und 3?
Die Figaro 3 bringt Lifting Foils, ein neues Rumpfdesign und ist die aktuelle One-Design-Fleet.

Zusammenfassung

Figaro 3 und Class 40 sind die zentralen Sportboot-Klassen für ambitioniertes Offshore-Regattasegeln unterhalb der IMOCA-Ebene – von der Solitaire du Figaro bis zur Route du Rhum.

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