Rule 18 und Markenrundungen
Rule 18 – Marken-Raum – ist die wohl wichtigste Regel an Marken in Fleet-Races. Sie bestimmt, welches Boot Raum zum Passieren einer Marke passieren erhält, auch wenn ansonsten eine andere Right of Way-Regel gelten würde. An Windward-Marken, Lee-Gate-Annäherung und Offset-Marken entscheidet Rule 18 über Positionen, Proteste und oft das Rennergebnis.
Dieser Leitfaden erklärt die Grundlagen von Rule 18, wann sie greift und welche Pflichten Inside- und Outside-Boote haben. Er baut auf dem Recht-vor-Weg-System auf und ergänzt Markierungsrundungen und Strafen.
Was Rule 18 regelt
Rule 18 (Mark-Room) gilt, wenn Boote an einer Marke rundet oder passieren, die sie segeln müssen. Sie verpflichtet das Outside-Boot, dem Boot zwischen Marke und Outside Raum zum Passieren der Marke zu geben – vorausgesetzt, bestimmte Bedingungen sind erfüllt.
Der Mark-Room umfasst:
- Raum zum Passieren der Marke auf der vorgeschriebenen Seite
- Raum zum Segeln des Kurses unmittelbar nach der Marke
- Bei Bedarf Raum zum Manövrieren (Tack, Gybe nach Lee-Marke, Segelwechsel)
Rule 18 ergänzt die Pflichten des Outside-Boots – sie ersetzt nicht die allgemeinen Recht-vor-Weg-Regeln.
Wichtig: Rule 18 schützt das Inside-Boot nur, wenn es Markenraum beanspruchen darf. Fehlt ein Inside Overlap in der Markierungszone, entfällt der Schutz.
Die Zone: Drei Bootslängen
Rule 18 greift in der Zone – einem Bereich von drei Bootslängen um die Marke, gemessen vom Rumpfende des jeweiligen Boots zur Marke.
- Ein Overlap wird nach Rule 16 festgestellt
- Inside Overlap bedeutet: Das andere Boot liegt zwischen Ihrem Boot und der Marke
- Bootslänge = Länge laut Segelanweisungen oder Class Rules
Overlap in der Zone – Ablauf
Wann Rule 18 gilt – und wann nicht
Rule 18 gilt nicht
- An der Startlinie (Rule 18.1)
- Wenn ein Boot die Marke nur passiert, ohne sie zu runden
- Zwischen Boote auf verschiedenen Legs (Rule 18.1(c))
- Wenn das Inside-Boot die Strecke nicht korrekt segelt (Rule 18.1(b))
Rule 18 gilt
- An Windward-Marken, Marken im Lee, Gates und Offset-Marken
- Wenn beide Boote dieselbe Marke in derselben Richtung runden
Inside Overlap: Voraussetzung für Mark-Room
Rule 18.2 – Overlap vor der Zone
Hat das Inside-Boot den Overlap vor Eintritt in die Zone erworben, muss das Outside-Boot Mark-Room geben. Das Outside-Boot darf das Inside-Boot nicht über die Layline hinausdrängen.
Rule 18.3 – Overlap in der Zone
Entsteht der Overlap in der Zone, gelten strengere Bedingungen:
- Outside gibt Raum, wenn es Inside nicht behindert hat
- Hat Outside Inside gezwungen, in die Zone hineinzusegeln, entsteht kein Mark-Room
- Inside darf keinen unfairen Vorteil erlangen
Praxisbeispiel: Boot A segelt auf Layline, Boot B schiebt sich leewaerts in die Zone. War B vorher klar leewaerts und musste früh hoch, entsteht oft kein Inside Overlap nach Rule 18.3(b).
Windward-Marken vs. Lee-Marken
An Windward-Marken nähern sich Boote am Wind; das Inside-Boot will eng an der Marke vorbei, das Outside-Boot will nicht zu weit hoch. Häufiger Konflikt: Outside drängt Inside über die Layline hinaus.
An Lee-Marken und Gates segeln Boote raumwind. Inside will das innere Tor eng nehmen; Outside muss Raum für den Kurs nach der Marke lassen. Bei Gates gilt Rule 18 nur, wenn beide dieselbe Gate-Marke runden.
Windward vs. Lee im Vergleich
Pflichten von Inside- und Outside-Boot
Outside-Boot:
- Raum zum Passieren auf der richtigen Seite einräumen
- Inside nicht zwingen, die Marke zu verfehlen
- Weiterhin Rule 11, 12, 13 beachten
Inside-Boot:
- Segelanweisungen einhalten
- Mark-Room beanspruchen, nicht erzwingen
- Nach Erhalt von Mark-Room: prompt die Marke passieren
Warnung: Rule 18 und Rule 31 (Markenberührung) sind getrennte Regeln. Ein Rule-31-Verstoß erfordert eine Strafe nach Rule 44 – unabhängig von Rule 18.
Rule 18 und Gates
Bei Gate-Marken gelten besondere Regeln:
- Beide Marken der Gate gelten als eine Marke für Rule 18
- Rule 18 gilt nur zwischen Booten am selben Tor
- Falsches Tor ist Rule 28, nicht Rule 18
Auf Windward-Leeward-Kursen entscheidet die Gate-Wahl oft über den nächsten Leg-Vorteil.
Taktik an Marken mit Rule 18
- Outside: früh windwärtig bleiben, Inside-Overlap verhindern, Covering nutzen
- Inside: Overlap vor der Zone etablieren, Layline rechtzeitig ansteuern
- Layline-Management: Die Zone im Blick behalten, rechtzeitig kommunizieren
Tipp: Rufen Sie laut: „Zone!", „Inside!" oder „Kein Overlap!" – klare Kommunikation verhindert Kollisionen und dokumentiert die eigene Sicht bei Protesten.
Typische Rule-18-Proteste
Rule-18-Proteste gehören zu den häufigsten in Inshore-Regatten:
- Outside drängt Inside über Layline (Rule 18.2(a))
- Inside schiebt sich in Zone ohne Overlap
- Outside gybt zu spät – kein Raum für Kurs nach Marke
- Gate-Konflikt am selben Tor
- Inside beansprucht Mark-Room ohne korrekte Strecke (Rule 18.1(b))
Bei Unsicherheit: Protest-Flag hissen und „Protest" rufen – Details im Protestverfahren.
Checkliste: Rule 18 an Marken
- Segelanweisungen gelesen: Marken, Rundungsseite, Gate-Regeln
- Zone (3 Bootslängen) im Blick
- Overlap-Status vor Eintritt in Zone geklärt
- Inside: Overlap vor Zone oder in Zone ohne Zwang
- Outside: Mark-Room eingeplant, nicht über Layline drängen
- Gate: beide Boote am selben Tor?
- Korrekte Strecke segeln (Rule 18.1(b))
- Bei Verstoß: 360° prompt nehmen oder Protest vorbereiten
Häufige Fehler vermeiden
- Zone ignorieren – Overlap erst in der Zone prüfen
- Gate verwechseln – Rule 18 gilt nicht zwischen verschiedenen Toren
- Inside erzwingen – ohne Overlap einschieben
- Outside zu spät gyben – kein Raum nach Lee-Marke
- Strecke falsch – Mark-Room ohne Rule-28-Konformität
Rule-18-Entscheidung – Ablauf
Häufige Fragen zu Rule 18
Gilt Rule 18 an der Startlinie? Nein, Rule 18.1(a).
Was ist die Zone? Drei Bootslängen um die Marke.
Muss Outside immer Raum geben? Nur bei Inside Overlap.
Schützt Rule 18 vor Rule 31? Nein, getrennte Regeln.
Verschiedene Gate-Tore? Rule 18 gilt nicht zwischen ihnen.
Zusammenfassung
Rule 18 regelt den Mark-Room an Streckenmarken. Wer Zone, Inside Overlap und die Unterschiede zwischen Rule 18.2 und 18.3 beherrscht, segelt sicherer und mit weniger Protesten. Kombinieren Sie Regelwissen mit Layline-Management und klarer Crew-Kommunikation.