Regatta-Status und Abkürzungen

Wer nach einem Regatta-Tag die Ergebnisliste öffnet, sieht neben Platzierungen und Segelnummern oft kryptische Kürzel: DNF, nicht rechtzeitig startbereit, OCS, DSQ oder BFD. Diese Regatta-Status und Abkürzungen stammen aus dem internationalen Wertungssystem der Regelwerk Regattasegeln (Anhang A) und werden weltweit einheitlich verwendet – unabhängig davon, ob es sich um einen Optimist-Clubtag, eine Deutsche Meisterschaft oder ein olympisches Fleet-Race handelt.

Statuscodes sind mehr als Buchstabensalat: Sie dokumentieren, warum ein Boot nicht wie geplant gewertet wurde, beeinflussen Streichergebnis-Kandidat und Gesamtwertungen und helfen Crews sowie Trainern, Fehler systematisch zu analysieren. Wer die Abkürzungen versteht, liest Ergebnislisten schneller, erkennt Protestfolgen und kann die eigene Saisonplanung realistischer einschätzen.

Warum Statuscodes existieren

Im Regattasegeln zählt nicht nur die Zeit über der Ziellinie. Boote können ausfallen, disqualifiziert werden, nicht starten oder die Strecke nicht vollständig segeln. Ohne einheitliche Kürzel wäre jede Ergebnisliste ein interpretatives Chaos. World Sailing definiert daher standardisierte Scoring-Abkürzungen, die Regatta-Software wie Sailwave, Regatta Network oder nationale Ergebnisdienste automatisch zuweisen.

Drei Kategorien von Statuscodes

  1. Teilnahme-Status – Boot war gemeldet, erschien aber nicht oder nicht rechtzeitig (DNC, DNS)
  2. Start-Status – Verstoß beim Start oder während der Startsequenz (OCS, UFD, ZFP, BFD)
  3. Renn-Status – Boot segelte, erreichte aber nicht das reguläre Ziel (DNF, RET, DSQ, NSC)
Vor dem Start
DNC, DNS – Boot nicht am Startgebiet oder nicht gestartet
Startphase
OCS, UFD, ZFP, BFD – Verstöße bei der Startsequenz
Während des Rennens
RET, NSC – freiwilliger Abbruch oder falsche Strecke
Nach dem Rennen
DSQ, DNE, RDG – Disqualifikation oder Schiedsrichter-Ausgleich

Die wichtigsten Status-Abkürzungen im Überblick

Die folgende Tabelle fasst die häufigsten Kürzel zusammen, die Segler auf Ergebnislisten, in Apps und im Live-Scoring finden. Die genaue Punkteberechnung hängt von der Notice of Race und den Sailing Instructions ab – insbesondere davon, ob Niedrigpunkt-System, Bonus-Punkte oder Medalsystem verwendet wird.

Abkürzung
Englische Bezeichnung
Bedeutung
Typische Ursache
DNF
Did Not Finish
Nicht im Ziel
Materialdefekt, Kenterung, Zeitlimit überschritten
DNS
Did Not Start
Nicht gestartet
Spät zur Startgebiet, Absage vor Signal, nicht am Startgebiet
DSQ
Disqualified
Disqualifiziert
Protest verloren, Regelverstoß ohne Straf-Drehung
OCS
On Course Side
Frühstarter auf der falschen Seite
Startlinie vor Startsignal überquert
BFD
Black Flag Disqualification
Disqualifikation durch Black Flag
Start unter Black-Flag-Regel (Rule 30.3)
ZFP
Z Flag Penalty
Strafe unter Z-Flag-Regel
Frühstart unter Rule 30.2, meist 20 % Punktezuschlag
UFD
U Flag Disqualification
Disqualifikation unter U-Flag
Frühstart bei aktiver U-Flag-Sequenz (Rule 30.3 Variante)
RET
Retired
Freiwilliger Rückzug
Crew gibt Rennen auf, meldet RET beim RC
DNC
Did Not Come
Nicht zum Startgebiet gekommen
Nicht gemeldet anwesend, kompletter Fehltag
NSC
Not Sailed Course
Strecke nicht korrekt gesegelt
Marke nicht gerundet, falsche Sequenz

Erweiterte und seltenere Codes

Neben den Alltags-Abkürzungen tauchen in Meisterschaften und bei Protestentscheidungen weitere Status auf:

  • DNE (Disqualification Not Excludable) – Disqualifikation, die nicht als schlechtestes Ergebnis gestrichen werden darf
  • RDG (Redress Given) – Jury gewährt Ausgleichspunkte nach Rule 62 (Redress)
  • SCP (Scoring Penalty) – Verhängte Scoring-Strafe ohne vollständige Disqualifikation
  • DGM (Disqualification for Gross Misconduct) – schweres Fehlverhalten nach Rule 69

DNF vs. DNS vs. RET – die Unterschiede

Status
Startbeteiligung
Wertungspunkte
Discard-Eignung
DNF
Gestartet, nicht im Ziel
Meist Starter + 1
Meist ja
DNS
Nie gestartet
Meist Starter + 1
Meist ja
RET
Freiwilliger Abbruch nach Start
Oft wie DNF, bei rechtzeitiger Meldung günstiger
Meist ja

Startbezogene Status: OCS, ZFP, BFD und UFD

Die Startphase ist die häufigste Quelle für Statuscodes bei Einsteigern und erfahrenen Fleet-Racern gleichermaßen. Die Race Committee (RC) setzt je nach Regatta und Vorgeschichte unterschiedliche Startregeln ein – von der normalen Startsequenz bis zu verschärften Flaggenregeln.

OCS – On Course Side

Ein Boot gilt als OCS, wenn es bei Startsignal auf der falschen Seite der Startlinie ist oder die Linie bereits überquert hat. Bei Individual Recall muss es zurücksegeln und korrekt starten; tut es das nicht rechtzeitig, folgt oft OCS in der Wertung. Bei General Recall wird der Start wiederholt – OCS aus diesem Start zählt nicht.

Praxisbeispiel: Bei der Kieler Woche segeln Dutzende ILCA gleichzeitig. Ein Boot drückt die Linie 15 Sekunden vor Signal und segelt weiter, obwohl die RC Individual Recall signalisiert. Ergebnis: OCS und typischerweise Wertung als Anzahl der Starter plus 1.

ZFP und BFD – verschärfte Startregeln

Wenn Boote wiederholt früh starten, schaltet die RC auf Rule 30-Flaggen um:

  1. Z-Flag (Rule 30.2) – Frühstarter erhalten ZFP: meist 20 % Punktezuschlag auf den Platz, den sie ohne Strafe erreicht hätten
  2. Black Flag (Rule 30.3) – Jedes Boot, das in der letzten Minute vor Start die Linie überquert, erhält BFD – Disqualifikation für dieses Rennen
  3. U-Flag – Ähnlich Black Flag, aber mit klarerer Ein-Minuten-Regel; Verstoß führt zu UFD

Unter Black Flag zählt bereits das Berühren der Linie in der letzten Minute – auch wenn das Boot zurücksegelt und regulär startet. Die Strafe ist unabhängig vom späteren Rennverlauf.

1
Startsignal
2
RC erkennt Frühstarter
3
Recall oder Flaggenregel aktiv (kritische Phase)
4
Boot segelt Rennen
5
RC wertet Status
6
Ergebnisliste zeigt OCS, ZFP oder BFD

Renn-Status: DNF, RET, NSC und DSQ

Sobald das Rennen läuft, können Status aus ganz anderen Gründen entstehen – von Materialproblemen über freiwilligen Rückzug bis zu Juryentscheidungen.

DNF – Did Not Finish

DNF bedeutet: Das Boot hat gestartet, aber nicht regulär das Ziel erreicht. Gründe reichen von Ruderbruch über Kenterung bis zum Überschreiten des Zeitlimits (falls in den SI definiert). Im Low-Point-System wird DNF in der Regel wie „Anzahl Starter + 1“ Punkte gewertet – oft schlechter als ein letzter Platz im Ziel.

DSQ – Disqualifikation

DSQ wird vergeben, wenn ein Boot gegen die Regeln verstoßen hat und keine andere Strafe (z. B. Scoring Penalty) greift. Typische Auslöser:

  • Verlorenes Protest-Hearing
  • Schwere Regelverstöße ohne erfolgreiche Straf-Drehung (720° oder 360° je nach Regelwerk)
  • Verstoß gegen Equipment Rules oder Class Rules

Die Wertung entspricht meist der schlechtestmöglichen Punktzahl für dieses Rennen. Details zum Protestablauf finden sich im Artikel über den Tag nach dem Rennen.

RET und NSC

RET (Retired) ist der freiwillige Rückzug – die Crew meldet beim RC, dass sie das Rennen aufgibt. Das ist sportlich fair und kann günstiger sein als DNF, wenn es rechtzeitig gemeldet wird.

NSC (Not Sailed Course) trifft Boote, die die Strecke nicht korrekt absolviert haben: falsche Markenrundung, übersprungene Gate, falsche Sequenz. Die RC oder der Finish-Recorder dokumentiert das – oft erst bei der Ergebniskontrolle sichtbar.

Wie Statuscodes in der Gesamtwertung wirken

Einzelne Statuscodes sind nur die halbe Wahrheit. Entscheidend ist, wie sie in die Serienwertung einfließen – besonders bei Mehr-Tage-Events und Meisterschaften mit Discard-Regeln.

Low-Point-System und Discards

Im üblichen Low-Point-System (Anhang A4) gewinnt, wer die wenigsten Punkte hat. Schlechte Rennen dürfen oft gestrichen werden – typisch ein Discard bei bis zu fünf Rennen, zwei Discards ab sechs Rennen (exakte Regel steht in NoR/SI).

Status
Typische Punktzahl
Discard-fähig?
Strategische Bedeutung
Platz 1–n
1 bis n
Ja (wenn schlechtestes Rennen)
Basis für Gesamtranking
DNF / DNS
Starter + 1
Meist ja
Oft erster Discard-Kandidat
DSQ / BFD
Starter + 1 oder mehr
Meist ja, außer DNE
Schwerer Schaden für Medal Race
ZFP
Platz + 20 % (aufgerundet)
Ja
Spürbar, aber besser als DSQ
DNE
Schlechteste Wertung
Nein
Kann Meisterschaft kosten
RDG
Jury-festgelegt
Nein (Ausgleich)
Kompensiert externe Nachteile

Statusverteilung bei Club-Regatta: Typische Verteilung bei 50 Booten über 5 Rennen: DNF ca. 8 %, DNS ca. 3 %, OCS ca. 5 %, DSQ ca. 2 %, übrige Codes unter 1 %. Erfahrene Segler reduzieren DNS und OCS über die Saison deutlich.

Medal Race und Sonderwertungen

Bei Medal Races (Olympia-Format, viele Weltcup-Serien) gibt es keinen Discard – jeder Status wie DNF oder DSQ trifft die Gesamtwertung voll. Wer in die Top-Position segelt, muss Statuscodes besonders vermeiden. Mehr zum Medalsystem im Fleet-Racing-Bereich des Wikis.

Ergebnislisten lesen: Schritt für Schritt

Ob auf der Regatta-Tafel, per App oder als PDF – Ergebnislisten folgen einem erkennbaren Muster. Mit etwas Übung entlarven Sie in Sekunden, was hinter jeder Zeile steckt.

Nummerierte Anleitung

  1. Spalten prüfen – Platz, Bootnummer, Skipper, R1–Rn (Einzelrennen), Total, Netto (nach Discard)
  2. Status in Klammern – „(12) DNF“ bedeutet: 12 Punkte wegen Did Not Finish
  3. Discard markiert – gestrichene oder graue Werte zeigen das verworfene Rennen
  4. Provisional vs. Final – vorläufige Ergebnisse können sich nach Protest-Hearings ändern
  5. Score-Code-Legende – am Ende der Liste oder in den SI; bei Unklarheit RC fragen

Tipp: Fotografieren Sie die Ergebnisliste direkt am Steg – vor Protestentscheidungen. So können Sie später Einzelrennen mit Crew-Notizen abgleichen und aus Fehlern lernen.

Checkliste: Statuscodes nach der Regatta

  • Alle eigenen Statuscodes pro Rennen notieren
  • Ursache je Code identifizieren (Start, Material, Protest)
  • Mit Taktiker/Coach besprechen
  • Discard-Situation für nächstes Rennen planen
  • Protest-Outcome dokumentieren
  • Ergebnis mit Live-Tracking abgleichen
  • Lessons Learned ins Training übernehmen
  • Meldung für nächstes Event rechtzeitig prüfen

Organisations-Abkürzungen rund um den Status

Statuscodes stehen nicht isoliert. Sie hängen mit Begriffen der Regatta-Leitung zusammen, die auf Ergebnisblättern, Funkdurchsagen und im Morgenbriefing vorkommen:

  • RC (Race Committee) – verantwortlich für Start, Streckenführung und erste Statuszuweisung
  • PRO (Principal Race Officer) – leitender Regattaleiter
  • SI (Sailing Instructions) – Wettfahrtbestimmungen mit Scoring-Details
  • NoR (Notice of Race) – Ausschreibung mit grundlegenden Regeln
  • AP (Answering Pennant) – Regatta verschoben, weitere Signale folgen

Die Sailing Instructions Ihrer Regatta können von den Standard-World-Sailing-Definitionen abweichen – z. B. bei Zeitlimits, ZFP-Prozentsätzen oder der Frage, ob OCS per Tracking automatisch erfasst wird. Lesen Sie SI und NoR vor dem ersten Start.

Praxis: Status vermeiden oder minimieren

Nicht jeder Status ist vermeidbar – Material bricht, Wind kippt Boote. Aber viele Codes resultieren aus vermeidbaren Fehlern, die Training und Routine reduzieren.

Empfehlungen für Crews

  • Starttraining – Line-Sights, Zeitmanagement, Black-Flag-Verhalten üben
  • Checklisten vor dem Start – Rigging, Rettungsmittel, Meldung beim RC
  • Regelwissen – Mark Room, Recht-vor-Weg, Straf-Drehungen sicher beherrschen
  • Kommunikation – Taktiker und Steuermann einigen sich vor kritischen Manövern
  • RET rechtzeitig melden – wenn das Rennen nicht sinnvoll fortgesetzt werden kann

Häufige Fragen zu Regatta-Status

Ist DNF immer schlechter als letzter Platz?

Meist ja – DNF bringt gleiche oder höhere Punkte als der letzte Finisher im Ziel.

Kann OCS nachträglich entfallen?

Nur wenn die RC den Status korrigiert – selten und nur mit Beweispflicht.

Zählt BFD als Discard?

Ja, sofern kein DNE vorliegt – BFD ist aber oft das schlechteste Ergebnis der Serie.

Was ist besser: RET oder DNF?

RET bei rechtzeitiger Meldung beim RC wird oft fairer gewertet als ein späteres DNF.

Wer setzt den Status?

RC und Scorer vergeben die Codes; bei DSQ nach Protest entscheidet die Jury.

Statuscodes im internationalen Vergleich

Deutsche Regatten unter DSV-Reglement nutzen dieselben Abkürzungen wie internationale Events unter World Sailing. Unterschiede entstehen eher bei Scoring-Varianten (High Point, Bonus Point für große Felder) als bei den Kürzeln selbst. Bei Regatten im Ausland lohnt ein Blick in die englischen SI – die Codes bleiben identisch, nur die Begleitdokumente wechseln die Sprache.

1
Vorfall auf dem Wasser
2
RC/Recorder dokumentiert
3
Protest optional
4
Jury entscheidet
5
Scorer trägt Code ein (DSQ/BFD rot, ZFP gelb, reguläres Finish grün)
6
Ergebnis veröffentlicht (provisional/final)

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