Magdeburger Segler-Verein e.V.
Der Magdeburger Segler-Verein e.V. (MSV) ist ein traditionsreicher Segelverein an der Alten Elbe in Magdeburg, gegründet am 11. Juli 1900 als zweiter Seglerverein der Stadt. Am Standort Seilerweg verfügt der Verein über ein denkmalgeschütztes Vereinshaus, eine seit 1961 genutzte Bootshalle und Liegeplätze an der Elbe; für den Regattabetrieb betreibt er zusätzlich einen Steg in Plaue bei Brandenburg/Havel mit 22 Plätzen. Im Verein werden Fahrtensegeln und Regattabetrieb gepflegt, die Flotte umfasst unter anderem Jollenkreuzer; Modellsegler veranstalten jährlich zwei Regatten am Adolf-Mittag-See mit deutschlandweiter Beteiligung. Wer wenig Segelerfahrung mitbringt, kann auf das breite Wissen und die jahrzehntelange Fahrterfahrung der erfahrenen Mitglieder bauen – von Reparaturen bis Regatta. Gemeinsame Veranstaltungen wie Ansegeln im Frühjahr und Weihnachtskaffee im Winter prägen das Vereinsleben; zum Dezember 2024 zählt der MSV 87 Mitglieder.
Historie
Der Magdeburger Segler-Verein (MSV) wurde am 11. Juli 1900 als zweiter Seglerverein der Stadt gegründet. Als Ankerplatz wird die „Alte Elbe unterhalb der Salzquelle“ ausgewiesen, als Versammlungsort diente das Restaurant „Reichskanzler“. Ein Vereinshaus gab es anfangs nicht; erst 1911 wurde im Vereinsverzeichnis der Adreßbücher ein solider Bau als Vereinslokal genannt, dessen Außenputz noch heute hält. In der kühlen Jahreszeit versammelte man sich weiterhin in Restaurants, da zu Beginn des Jahrhunderts keine Beheizung vorhanden war und der Raum nicht für alle Mitglieder ausreichte. Erste gesicherte Angaben zu Mitgliedschaft und Flotte stammen aus dem Jahr 1920: 22 Mitglieder, 5 Kajütboote, 3 offene Boote und ein Beiboot. 1939 erfolgte auf Befehl der Sportführung der Zusammenschluss der „Segler-Vereinigung Magdeburg“ mit dem MSV; die Stimmung in der Mitgliedschaft war angespannt, da im MSV vor allem Fahrtensegeln betrieben wurde, während die „Neuen“ zumeist Regattasegler waren. Im Jahre 1944 vernichtete ein Bombenangriff an Land liegende Boote abwesender Kriegsteilnehmer. Das Vereinshaus blieb verschont, unterlag nach Kriegsende jedoch mehreren Plünderungen. Ab 1945 erlosch das gesamte Vereinsleben an der Alten Elbe – der Stadtpark war bis 1946 militärisches Sperrgebiet. 1946 fanden sich neun Segler aus den früheren Vereinen „Wasserfreunde Magdeburg“ und „Magdeburger Segler-Verein“ für einen Neubeginn in der Sportgemeinschaft „Rotes Horn“ zusammen; der Sportbetrieb begann 1948, nachdem materielle Voraussetzungen geschaffen wurden. Nach Gründung der DDR 1949 erfolgte die Umwandlung in die Betriebssportgemeinschaft (BSG) „Lokomotive“ der Deutschen Reichsbahn. Segeln galt als „bürgerlicher Sport“ mit geringer Anerkennung in einem Arbeiter- und Bauernstaat, bis olympische und Weltmeisterschaftserfolge dies änderten. 1950 hatte die Sektion Segeln 37 Mitglieder, 11 Jollenkreuzer und 12 Jollen. 1956 wechselte die BSG von „Lokomotive“ zu „Einheit“. 1961 wurde die Bootshalle aus Rinderoffenställen gebaut – unter anderem beschleunigt durch den erwarteten Besuch Walter Ulbrichts anlässlich der Arbeiterfestspiele, damit die seit 1954 selbst gebauten Bootsschuppen der Prominenz nicht zugemutet werden mussten. Mitglieder leisteten ein Arbeitsstundensoll von 150 Stunden, manche kamen in fünf Monaten Bauzeit auf 300 Stunden. 1967 entstand ein eigener Steg in Plaue bei Brandenburg/Havel mit 22 Plätzen, zunächst nur für Regattasegler. Durch bessere Trainingsmöglichkeiten am Stützpunkt Plaue folgten Erfolge im Wettbewerb: Von 1953 bis 1989 nahmen insgesamt 207 Mitglieder an Deutschen- bzw. DDR-Meisterschaften teil; hervorgehoben sei die Mannschaft Dieter Köppe/Hans-Jürgen Krähe, die 1972 in der 15-qm-Jollenkreuzerklasse DDR-Meister wurde. Die Flottenentwicklung war stetig steigend; es dominierten 20-qm-Jollenkreuzer aus Stahl, Ende der 1980er Jahre umfasste der Bootsbestand 55 Boote. In der Übergangsperiode vor der deutschen Einheit wurde der Magdeburger Segler-Verein e.V. am 27. März 1990 als erster Magdeburger Sportverein ins Vereinsregister des Amtsgerichtes Magdeburg unter der Nummer 1 eingetragen; der Vereinsnamenszug wurde bei Fassadenarbeiten freigelegt. Ende 1999 zählte der Verein 102 Mitglieder, 17 Jollen, 17 Jollenkreuzer, 12 Seekreuzer und 8 Motorboote. 2013 überflutete die Jahrhundertflut der Elbe Stadt und Land; erstmals trat die Elbe in den Klubraum ein (Höchststand 7,47 m). Nach Abfluss der Flut wurde das Gelände, Haus und Halle in mühevollen freiwilligen Arbeitsstunden wieder nutzbar gemacht. Erst 2017 begannen die Arbeiten zur Wiederherstellung der Hochwasserschäden, die sich bis Anfang 2019 hinzogen. Ende März 2019 wurde das Haus vom Vermieter wieder zur Nutzung übergeben; es soll denkmalgerecht wiederhergestellt werden. Zum Dezember 2024 zählt der Verein 87 Mitglieder, 29 Segelboote (Jollen, Jollenkreuzer, Seekreuzer) und 25 Motorboote.
Informationen
Einrichtungen
Vereinshaus am Seilerweg, Bootshalle (seit 1961), Liegeplätze an der Alten Elbe, Steg in Plaue bei Brandenburg/Havel mit 22 Plätzen
Aktivitäten
Fahrtensegeln, Regattabetrieb, Bootreparatur und -erhaltung, zwei jährliche Modellsegel-Regatten am Adolf-Mittag-See, Ansegeln, Weihnachtskaffee und weitere Vereinsveranstaltungen